Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund

Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund

anonym

ca. 1450

 

Der burgundische Herzog Johann Ohnefurcht  (1371-1419) ist einfach, aber reich gekleidet. Er trägt einen mit Pelz abgesetzten schwarzen Mantel. Diese Farbe kam unter den Herzögen von Burgund groß in Mode. Er kniet vielleicht auf einer Betbank. Darüber wurde ein Wappenteppich mit der Lilie des französischen Königshauses Valois drapiert. Davor hängt ein kleines Wappenschild mit dem flämischen Löwen. Eines der Wappen verweist auf die Herkunft der Herzöge von Burgund und das andere (bewusst oder unbewusst) auf ihre glorreiche Zukunft im reichen Flandern.

Das kleine Porträt wird auf die Zeit um 1450 datiert, soll aber auf einem Original aus dem Jahr 1415 beruhen und ist daher ein sehr frühes Porträt. Das älteste noch erhaltene individuelle Porträt der westlichen Malerei seit der Antike ist das des französischen Königs Jan des Guten, Johann Ohnefurchts Großvater. Es wird um 1360 datiert (Louvre, Paris). Jan der Gute wird darauf - genau wie die Fürsten auf den Münzen der Antike - im Profil dargestellt. Johann Ohnefurcht hingegen hat dem Betrachter Gesicht und Oberköper im Dreiviertelprofil zugewandt. Diese Pose wirkt weniger streng und wird auch auf den meisten späteren Porträts der burgundischen Herzöge verwendet. 

 

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INFORMATION

Titel: Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund

Objektbezeichnung: Gemälde

Angefertigt von: anonym

Datierung: ca. 1450

Material: Öl auf Holz

Maße: 34 × 26,7 × 6 cm

Herkunft: Langfristige Leihgabe des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen (Inv. 540)

 

BIBLIOGRAPHIE

Jos Koldeweij, Eva Tahon en Inge Geysen (red.), Liefde en devotie : het Gruuthusehandschrift: kunst en cultuur omstreeks 1400. Antwerpen, 2013: 51.

Paul Vandenbroeck, Catalogus schilderijen 14e en 15e eeuw. Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen. Antwerpen, 1985: 28-32.