Der Tanz der Tugenden

Der Tanz der Tugenden

anonym

Inschrift unten verweist auf 1545

 

 

12 weibliche Figuren, jeweils begleitet von einer Inschrift und einer Blume, reichen einander die Hand. Gerechtigkeit, Glaube, Hoffnung, die Liebe Gottes,… Bei jeder dieser Personifizierungen handelt es sich um eine christliche Tugend. Zusammen bilden sie einen Zaun - eine Art verschlossenen Garten - um den segnenden Christus herum. Der Text unten lautet: „Den dans der dueghden aenmerckt hier claer Die als ghestustere (sic) tsamen schooene Ihesum hueren brijdegoem neemen waer Om hem te (c)rijghen tot hueren looene 1545”.  („Den Tanz der Tugenden führen hier deutlich auf, die als Schwestern (sic) gemeinsam den schönen Jesus als ihren Bräutigam bezeichnen, um ihn als ihren Lohn zu empfangen 1545”.)

Das Gemälde vom Tanz der Tugenden, der auch als Jungfrauentanz bezeichnet wird, ist ein frühes Beispiel für ein Gemälde auf Leinwand. Obwohl der Künstler anonym geblieben ist, wurde das Bild wahrscheinlich in Mechelen angefertigt. Die Stadt war im 16. Jahrhundert ein bekanntes Zentrum für die Herstellung von (billigen) Gemälden auf Leinwand. Karel van Mander (1548-1606) schrieb ein halbes Jahrhundert später, es gäbe in Mechelen über 150 Geschäfte von Doeck-schilders (Leinwandmalern). Auch das puppenhafte Aussehen der Jungfrauen (hohe Stirn, mandelförmige Augenlider und Schmollmund) erinnern an die kleinen Mechelner Holzskulpturen (Poupées de Malines), die in großer Zahl in Mechelen angefertigt wurden.  

 

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INFORMATION

Titel: Der Tanz der Tugenden

Objektbezeichnung: Gemälde

Angefertigt von: anonym

Datierung: Inschrift unten verweist auf 1545

Material: Öl auf Leinwand auf Holz maroufliert

Maße: 84,0 x 112,5 cm

Inventarnummer: OCMV S0024

Herkunft: Hing Ende des 19. Jahrhunderts im Arbeitszimmer des  Onze-Lieve-Vrouw-Hospitals, Mechelen. 2000 stellte das OCMV das Werk unter die Verwaltung der Stadt Mechelen.

 

BIBLIOGRAPHIE

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