Der Geldwechsler und seine Frau

Der Geldwechsler und seine Frau

Marinus van Reymerswale (Kopie nach)

Datierung: 1540

 

 

Marinus van Reymerswale hat sich bei dieser Darstellung eines Geldwechslers und seiner Frau möglicherweise auf ein Werk von Quinten Massijs berufen, das heute im Louvre hängt. Er brachte jedoch einige bedeutungsvolle Änderungen an: zusätzliche Geldbeutel weisen auf Begierde und die Bibel der Frau wird bei Marinus zu einem Rechnungsbuch.  

In den Niederlanden gab es im 16. Jahrhundert zwei Arten von Geldwechslern. Die Stadtwechsler erledigten Bezahlungen im Auftrag der Stadt, kommerzielle Geldwechsler hingegen wechselten in ihren Wechselstuben auf den Jahrmärkten fremde Münzen in gängige Währungen und nahmen bei finanziellen Transaktionen manchmal auch Geld in Verwahrung. 

Nach dem Niedergang Brügges Ende des 15. Jahrhunderts ließen sich die Geldwechsler vor allem in Antwerpen nieder und wurden dort eine wichtige Inspirationsquelle für Van Reymerswale, der ab 1509 in der Stadt arbeitete. Seine Darstellung des Geldwechslers wirkt wie ein kritischer Kommentar zum wirtschaftlichen Aufschwung Antwerpens. Die Spannung zwischen Gott und Geld (Matthäus 6: 24) ist deutlich spürbar. Die Frau wird durch die Arbeit des Mannes, der äußerst konzentriert Münzen wiegt und deren Wert bestimmt, vom Gebet abgelenkt.

Es bestehen verschiedene Varianten von/nach Marinus van Reymerswale zu diesem Thema: im Escoriaal (Leihgabe Prado, Nr. 2102), in der Alten Pinakothek in München (Nr. 138), im Musée d’Arts de Nantes (Nr. 415) und im Museo Nazionale in Florenz (Nr. 2058); in der Gemäldegalerie in Dresden (Nr. 812) und der National Gallery of Denmark in Kopenhagen (Nr. 293).

 

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INFORMATION

Titel: Der Geldwechsler und seine Frau

Objektbezeichnung: Gemälde

Angefertigt von: Marinus van Reymerswale (Kopie nach)

Datierung: 1540

Material: Öl auf Holz

Maße: 96 × 128,5 × 10 cm

Herkunft: langfristige Leihgabe des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen (Inv. 567)

 

BIBLIOGRAPHIE

Larry Silver, „Massys and Money: The Tax Collectors Rediscovered“, Journal of Historians of the Netherlands Art 7(2) (Sommer 2015).